Die fünfte Jahreszeit
2026-ongoing


Jedes Jahr feiern Millionen von Menschen in Deutschland in den unterschiedlichsten Teilen des Landes Karneval – je nach Region auch Fastnacht oder Fasching genannt. Als fest verwurzeltes, kulturelles Ereignis vereint es Kostüme, Umzüge, Büttenreden und Partys. Die sogenannte „fünfte Jahreszeit“ beginnt traditionell am 11.11. um 11:11 Uhr, findet zu Aschermittwoch ihren Höhepunkt und läutet dann die 40-tätige Fastenzeit vor Ostern ein. Diese Zeit bildet vielerorts einen gemeinschaftlichen Ausnahmezustand ab, der auf eine lange Geschichte zurückblickt.

Der Hang zur Verkleidung ist so alt wie die Menschheit selbst. Doch was genau ist es, was die Menschen antreibt, sich zu verkleiden und in andere Rollen zu schlüpfen? Ist die Flucht aus dem Alltag gerade in heutigen Krisenzeiten wichtiger und präsenter denn je? Inwiefern trägt das Fest eine aktuelle Relevanz und welche Bräuche haben mit heutiger Progressivität wenig zu tun? Welche Bedeutung haben solche kollektiven Veranstaltungen in unserer individualistischen Kultur? Sind sie ein fester, identitätsstiftender Bestandteil unserer Populärkultur oder überwiegend Wirtschaftsfaktor?

Um diesen Fragen und den Spuren der eigenen Sozialisierung auf den Grund zu gehen, habe ich in meiner Heimatregion begonnen, die Fastnacht fotografisch zu begleiten. Gemeinsam mit über 500.000 anderen Menschen war ich zu den Umzügen in den lokalen Hochburgen Mainz und Dieburg.

Die Serie möchte die leisen Momente in der Flut von Eindrücken einfangen und besondere Details in gewohnten Situationen entdecken. Sie bildet den Auftakt einer umfassenderen Auseinandersetzung mit Bestandteilen der deutschen Kultur.
Every year, millions of people in Germany celebrate Carnival in various parts of the country – also known as Fastnacht or Fasching, depending on the region. As a deeply rooted cultural event, it combines costumes, parades, carnival speeches, and parties. The so-called “fifth season” traditionally begins on November 11 at 11:11 a.m., reaches its peak on Ash Wednesday, and then heralds the 40-day Lent period before Easter. In many places, this time represents a communal state of emergency that looks back on a long history.

The penchant for dressing up is as old as humanity itself. But what exactly drives people to dress up and slip into other roles? Is the escape from everyday life more important and more present than ever, especially in today's times of crisis? To what extent is the festival relevant today, and which customs have little to do with today's progressiveness? What significance do such collective events have in our individualistic culture? Are they an integral part of our popular culture that shapes our identity, or are they primarily an economic factor?

To get to the bottom of these questions and the traces of my own socialization, I began photographing Carnival in my home region. Together with over 500,000 other people, I attended the parades in the local strongholds of Mainz and Dieburg.

The series aims to capture quiet moments amid a flood of impressions and discover special details in familiar situations. It marks the beginning of a more comprehensive exploration of elements of German culture.

Last Update: February 2026